Gerhard Völkle, geb. 1953 in Lörrach, Kunstgewerbeschule Basel, Schweiz—Kunstakademie Bad Reichenhall – ATELIER/FARBE IM RAUM – Farbliche Wand- und Oberflächengestaltung, München. Freie Malerei und gegenständliche Arbeiten Rolf Samuel, Lörrach—Albert Laier, Märkt—Prof. Markus Lüpertz, Düsseldorf Peter Tomschiczek, Ellmosen.

Oberflächen brechen auf, reißen ein. Sie wölben sich plastisch in den Raum hinein. Fein und luzid, dicht wie unwegsam. Alles gleichzeitig. Es überlagert sich sichtbar oder ist versteckt. Die zahlreichen Schichten und Schichtungen sind in zweifacher Hinsicht interpretatorisch verfügbar: zum einen beinhalten diese Strukturen die Aussage des Bildes, zum anderen fungieren sie als „Bühnenbild“, unterstützen geometrische Formen und Flächen und stehen damit in spannungsvollem Dialog zu differenzierten Hintergründen. Spannungsreich und kraftvoll trägt der Untergrund Landschaften eines bislang unentdeckten Kontinents.
Die Betrachtung der Oberfläche läßt assoziative Weiten zu. Das Auge gleitet über Kuppen, Hügel, Berge, Höhen und fährt gleichzeitig in die Mulden hinein. Gerhard Völkles bildnerischer Reichtum ist gleichsam einem Gefäß, in das er über Jahre hinweg Begriffe, Bilder, und „Blick-Erfahrungen“ aufgenommen und gesammelt hat, aus welchem das künstlerische Vokabular rekrutiert.
Die Verbindung zur Insel Lanzarote, die Faszination für das allerorts anzutreffende Vulkangestein schlug sich schon lange im Kunstschaffen von Gerhard Völkle nieder. Übersetzte er bisher besonders die rauhen Strukturen in seine Werke, so wendet er sich in seinen neuesten Arbeiten, die unter dem Titel „rostspuren – coloured oxidations“ entstehen, mehr den Farben und dem Feuer zu, das Lanzarotes Berge speien.
Eine spezielle Technik, bei der Völkle Metalloxidationen auf Bildträgern wie Metall, Acrylglas, Leinwand und Holz herstellt, erlaubt es ihm mit echtem Rost zu arbeiten und durch dieses „selbsttätige“ Material bildnerische Effekte hervorrufen zu lassen.

Rost als ästhetische Oberfläche, als Stellvertreter für historische Vergangenheit und Sinnbild von Natürlichkeit, Verwitterung, Korrosion und Verfall. Rost, das ist Vergänglichkeit, das ist, was metallene Gelenke blockiert und unbeweglich macht – was erstarren und zerfallen läßt.
Neben abstrakter Malerei gilt das Hauptinteresse zunehmend skulpturdominanter Gruppen und Menschendarstellungen in Bildern und Metallskulpturen, deren Gestik und Mimik er detailliert gestaltet. In scherenschnittartigen Umrissen und oxidierender Farbigkeit zeigt Völkle Menschen im Alltag und Personen des öffentlichen Lebens. Das sind die Menschenbilder in Völkles Kunst, und sie sind alle in Bewegung. Wenn sie innehalten, dann ist es nur für kurze Zeit. Hier ist kein Stilleben, keine Ruhe und Bedächtigkeit. Hier geht es um Aktion, manchmal auch um „action“.
Wie nah sich der Betrachter am Bildtitel oder wie frei er sich in seinen Assoziationen bewegen mag, sichtbar bleibt die künstlerische Linie des Gerhard Völkle, der nicht rastend und ruhend auf dem Erreichten verweilt. Eine strukturierende Ordnung muß sich zu jedem Zeitpunkt in jeder Arbeit finden. Gleichsam über einem Grundgerüst variiert und ordnet Völkle die phasentypischen Schwerpunkte an.