Jahrgang 1927, zählt nicht nur zu den bedeutendsten Schriftstellern der Gegenwart. Als „studierter“ Maler und Bildhauer hat der ehemalige Otto Pankok- Schüler sich in zahlreichen Ausstellungen einen Namen gemacht. Seit Jahrzehnten sind Schriftstellerei und bildende Kunst eine parallele Schaffenseinheit. Die eine künstlerische Ebene berührt die andere, beeinflußt sie, interpretiert und fasziniert den Betrachter immer wieder. Grass, der große konsequente Realist, hat vor allem auch ein umfassen des druckgraphisches Oeuvre geschaffen. Oft in Zyklen und Variationen.

GÜNTER GRASS Er, der sich selbst charakterisiert: „Als bildender Künstler bin ich gelernter; als Schreiber un.gelernter Künstler“, wurde 1927 in Danzig geboren, absolvierte 1947 eine Steinmetzlehre und studierte 1948 – 1952 an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Professor Karl Hartung, Sepp Mages und Otto Pankok. Die Düsseldorfer Kunstakademie war in jenen Jahren geprägt von lehrenden Künstlern wie Ewald Mataré und Otto Pankok. Bis heute gab es zahlreiche Ausstellungen von Zeichnungen, Aquarellen, Druckgraphik und Skulp-turen im In- und Ausland. Deutschlands bedeutendste Privatsammlungen bzw. Museen, Sammlung Ludwig und Sammlung Würth, haben umfangreiche graphische Zyklen und Skulpturen erworben. Grass zu seinen Skulpturen … Erst Anfang der achtziger Jahre tat sich ein Loch auf das weder schreibend noch zeichnend zu überspringen war. … Es war meine Tochter Laura, die mir als gelernte Töpferin den Rat gab, mit Ton.erde zu arbeiten und dabei die handwerklichen Fähigkeiten meines ersten Berufes zu erweitern. … In Wewelsfleth, einem schleswig-holsteinischen Dorf hatte ich mir in einem Haus hinterm Deich wiederum ein Atelier eingerichtet. Mein altes Modellierwerkzeug – schlanke, glatte und ge-kerbte Buchsbaumhölzer; Tonschlingen und Schaber – war noch zur Hand. … Anfangs griff ich auf Motive aus dem Romanstoff „Der Butt“ zurück: die dreibrüstige Göttin Aua, vielerlei Fische neben dem Plattfisch, der Kopf des Steinbeißers, Dorschköpfe und wie bewegt gleitende Aale gewannen Gestalt. Dazu kamen paarweise die Köpfe der Köche – eine Erinnerung an ein frühes Theaterstück… Danach Metamorphosen: Vogelmenschen in gemischter Gesellschaft, als Relief oder freistehend in angenäherter Haltung. Die Frau und die Gottesanbeterin, später dann Geflügel: Gänse und Gän-seköpfe, aber auch Heuschrecken, die Spinne und als Relief die Doppelschnecke. Zudem dienten Fundsachen als Modell: ein verwitterter Plastikhandschuh, ein Schwanenhals, in den Ost-seedünen von Man gefunden, der viermal variiert wurde, eine Pilzgruppe… … Ein von allen Zwängen gelöster; annähernd heiterer Umgang mit fügsamem Material. Es war eine glücklich stille, in ihren Arbeitsabläufen kaum zu datierende Zeit.
Zitate aus dem Buch „Gebrannte Erde“, erschienen im Steidl-Verlag