Jean Claude Picard

Die Landschaftsmalerei erlebte gegen Ende des letzten Jahrhunderts einen nachhaltigen Umbruch. Die Postimpressionisten Gauguin, van Gogh und Paul Cécanne entwickelten ein vollkommen neuartiges Verständnis von autonomen Bildern. Die gemalten Landschaften wurden nicht mehr als eine Abbildung der Topographie verstanden, sondern als eigenständiger Kosmos, dessen Aufbau besonderen Regeln folgt.

Mit dieser Einstellung brach sich eine neue Kunstauffassung Bahn, die in der abstrakten Kunst, welche auf jeglichen gegenständlichen Bezug verzichtete, einen Höhepunkt fand.
Auf der anderen Seite gibt es heute immer noch Maler, wie Jean-Claude Picard, welche die sichtbare Wirklichkeit in ihren Bildern nicht vollends aufgeben wollen, sondern nach einer Synthese von stimmungsvollem Naturbild und kompositorischer Freiheit suchen.
Vor vielen Jahren entdeckte er die Provence, das Roussillion und Katalonien als Malerparadiese, wohin er sich, wann immer es möglich war, zurückzog.
In ländlicher Idylle, zwischen sonnendurchglühten Hügeln und schattigen Pinienwäldern, fand er die Atmosphäre, die er für seine Art von Malerei benötigte.
Diese herben Landschaften mit ihrem einzigartigen Licht sind Gegenstand seiner meist großformatigen Gemälde, deren raffiniert strukturierte Oberfläche trefflich das Flirren der mediterranen Luft wiedergibt. Picard arbeitet auf seinen Streifzügen im Freien ausschließlich mit Skizzenbuch und Aquarellfarben und setzt diese vor der Natur gewonnenen Eindrücke mit ausgeklügelter Mischtechnik im Atelier um. Sein
Anliegen ist dabei, sein Empfinden vor und die Gegebenheiten in der Landschaft gleichsam zu einer Essenz zu verdichten.
Die Reduktion und die Konzentration auf das Wesentliche sind für Picards Arbeiten signifikant. Er strebt danach, die Details in eine schlüssige Ordnung zu integrieren und bedient sich dabei prismatischer Muster. Leuchtende Farbflächen fügen sich kunstvoll kaleidoskopartig zu nie gesehenen
Hügeln, Baumgruppen und Dörfern zusammen, dennoch bewirkt die davon ausgehende Stimmung beim Betrachter, sich sehnsüchtig an sein eigenes Arkadien zu erinnern. An das silbergraue Morgenlicht über den Dächern und Kuppeln einer toskanischen Stadtlandschaft, an die brennenden Farben der Weingärten in der herbstlichen Provence oder an die kühle Geborgenheit südlicher Dörfer inmitten gleißender Felder.
Diese Stimmungen sind es, die Picards persönliches Empfinden berühren und die der Künstler sowohl in seinen Landschaften, wie auch in seinen Straßenszenen und Stillleben zum Ausdruck bringt. Er bedient sich dabei einer klaren, unverstellten Formensprache und eines fein aufeinander abgestimmten Kolorits.
Seit dem Jahre 2000 hat er Mallorca zum Zentrum seiner künstlerischen Arbeit gewählt, wo er in Palma im Schatten der Kathedrale und der Almudaina wohnt und malt.